Mit Feuer & Flamme für die neue Herbstkarte...

Was dabei heraus kommt, wenn zwei Hallenser Spitzengastronomen an den schönen Ufern des Süssen Sees ankern, warum einer davon feuriger ist als Polizei erlaubt und wie aus einer gehassten eine geliebte Alte Oma wird, konnte ich vorletzte Woche mit Harald Henschel in der Orangerie Seeburg erfahren. Auch wenn der Süsse See mit seiner eleganten Schlossshiluette, den Obstplantagen und den weitläufigen Uferpromenaden ein kleines bisschen an den Bodensee erinnert, befindet er sich in Sachsen Anhalt unweit von Halle entfernt im handfest bodenständigen Mansfelder Land. Einen Landstrich, wo der Bergbau einst so wichtig war, dass man Ende des 19. Jh. zu dessen Rettung nach Wassereinschlüssen sogar dem nahe dem süssen See gelegenen um vielfaches grösseren Salzsee komplett abließ. In der Orangerie, direkt unter dem Schloss der einst berühmten Seeburger Fürsten gelegen, muss allerdings niemand auf dem Trockenen liegen. Neben einem mit guten Tropfen gefüllten Weinkeller schicken die beiden Inhaber Christian Zerban und Alexander Mönch gerade eine gnadenlos gute Herbstkarte ins Rennen. Doch bevor ich diese auf Herd & Nieren checke, schaue ich mich erst einmal etwas um.

 

Die moderne Architektur der Orangerie Seeburg beeindruckte mich schon letzten Sommer, als mich für meine Reisekolumne für die Mitteldeutsche Zeitung, der stellvertretende Bürgermeister Herr Blümel zu einer Autotour rund um den Süssen See einlud und mir seine persönlichen Lieblingsorte zeigte. Auf die Strandpromenade und Orangerie, welches im Rahmen eines Leader Projektes umgesetzt, wurde, war er besonders stolz. Später dann (und dies übrigens nicht nur in Sachsen Anhalt) wurde mir von verschiedenen Geniessern das Restaurant Orangerie Seeburg immer wieder empfohlen. Und so freute ich mich, nun endlich die beiden Inhaber Christian Zerban und Alexander Mönch einmal persönlich kennenzulernen. Schon beim Durchschreiten des Torborgens mit kleinen Garten, dem Durchqueren der Terasse mit tollem Seeblick und dem Eintreten in den eleganten Restaurantraum spürt man Leidenschaft und Detailliebe für Genuss und Design. Als ehemalige Burg- Designstudentin aus Halle freute es mich, mit den beiden auf zwei waschechte Hallenser zu stossen. Welche sich trotz ihrer Herkunft aus der Gourmet- Gastronomie dem Süssen See erst einmal zunächst auf eher süssen Wegen genähert haben. Als Pächter des Schlosscafes offerierten sie freilich schon an diesem Ort weitaus mehr als nur Kaffee und Kuchen. Als dann das Schloss verkauft wurde, kam ihnen mit der Planung der Orangerie der Zufall entgegen. Gemeinsam mit Herrn Blümel, welcher zugleich Bauamtsleiter ist, wurde über die Betreibung der lichtdurchfluteten Räumlichkeiten als Restaurant beraten und gemeinsam die Umsetzung geplant.

 
Mitte 2014 könnte dann das Restaurant Orangerie eröffnet werden. Auf die perfekte Aufteilung zwischen Küche und Service konnten sich Küchenchef Alex und Restaurantleiter Chris schon im Hallenser Restaurant Hohenzollern einspielen, wo sie als Koch und Kellner gemeinsam arbeiteten. Das Restaurant lief unter Beiden gut, verschiedene Auszeichnungen wurden erkocht. Danach gingen sie ins Erzgebirge nach Altenberg . Bis dann jemand mit Idee kam: "Wollt Ihr nicht in Seeburg ein Cafe betreiben?" Der Ansatz vernünftiges Essen zu vernünftigen Preisen zu machen, war anfangs eine Gratwanderung. Der gemeine Mansfelder liebt, bei in der Gastronomie eher sparsamen Geldbeutel, die Teller gerne gerne randvoll. Beide versuchten nach Eröffnung der Orangerie mit ansprechenden Menüs die Gäste anzuregen, auch einmal eine Vorspeise oder eine Nachspeise auszuprobieren. Damals auch mal zum Specialpreis. Mittlerweile kennen und wertschätzen die Gäste aber genau diese liebevoll aufeinander abgestimmten Menüs. Neben dem nicht immer leichten langsamen Angewöhnungsprozess der Einheimischen an gehobene Esskultur wird die Orangerie aber auch bei Touristen und Genusskennern immer beliebter. Viele kommen nun auch von weit her extra zum Essen an den Süssen See. Auch besondere Gäste, wie der Bruder vom Graf von Staufenberg, welcher auf dem Schloss in Seeburg mit seinem Freund aus der Familie Wenzel das Attentat gegen Hitler plante. Auch Christian und Alexander sind in der Gastronomie unbeugsame Freigeister. Langsam zahlt es sich aus, dass sich Beide nicht angepasst oder untergeordnet, sondern ihrer Philosophie treu geblieben sind. Nur schweer zu beeinflussen sind am Süssen See die Themen guter Nahverkehr und gutes Nahpersonal. Was zumindest bei jungen Leuten oft ähnlich wie Leistung und Leidenschaft eng zusammenhängt. Bei letzteren Eigenschaften scheint sich aber laut ihrem befreundeten Koch und Ausbilder Bernd Lücke ( Olympiade der Köche) auf den Schulen derzeit eine Trendwende anzukündigen. Gutes Personal ist eine wichtige Basis für anspruchsvolle Küche. In der Orangerie klappt die Zusammenarbeit mit dem Team so gut, dass die Karte hochkarätig spielen kann. Viele Anregungen kommen Alexander unterwegs wie z.B. der Seeigel, welchen er vor 4 Jahren in Istrien entdeckte.

 

Ich entdecke in einer leckeren Verkostung derweil zwei besondere Offerten der Herbstkarte: Zunächst probiere ich bei einem lockeren Küchenplausch mit Alexander das kunstvoll angerichtete Surf and Turf Gericht , welches auf spannende Art und Weise eine "Tote Oma" Grützwurst von Fleischerei Schrader mit einem sagenhaft leckeren Fischfilet verbindet. Die vergoldeten Kahla Opus Teller sind ein Geschenk von Bernd Lücke von Olympiade der Köche.Auch das Gericht ist mit seinem kontrastreichen Geschmackskino von tollen intensiven Aromen olympiareif. Bedenkt man das Alexander Mönch zunächst einen jahrelangen Wiederwillen gegen tote Oma hatte, ist die innovative Wiederbelebung dieses Klassiker sehr gut gelungen. Schuld an der langen Abneigung war ein Armeeerlebnis der besonderen Art. Da zur Ausbildung bei der Bundeswehr auch 2 Wochen Biwak gehörte, hiess es entsprechend der dazugehörigen eher kargen Überlebenstrategien 2 Wochen nur von EPA Packs leben. Welche 1963 hergestellt, so enorm haltbare Gerichte wie civabcici- Dosen enthielten, die nach 2 Wochen dann aber auch keiner mehr sehen konnte. Notdürftig über der Flamme bis zur Hälfte warm bekommen, war das Essen unten meist schon verbrannt während es oben noch kalt war. Wie gross war dann die Freude, als dann nach 14 Tagen mit einer Gulaschkanone endlich die "ordentliche " Truppenverflegung kommen sollte. Alexander freute sich auf seine Portion und sah...Tote Oma mit Kartoffelpüree und Sauerkraut. Abgesehen davon, dass er sich schon in DDR Zeiten in Kantinen damit "überfressen" hatte, reichte der Essensfaden von der Kelle noch bis in den Topf. Die Vorfreude war sofort verflogen, das Blechgeschirr wurde am nächsten Baum ausgekippt und das Thema "Alte Oma" war erst mal für längere Zeit erledigt. Erst als vor kurzen ein befreundeter Koch aus New York mit ihm telefonierte und ihm schilderte wie angesagt "Die Alte Oma" derzeit in Amerika ist, wurde Alexander Mönch neugierig und seine Leidenschaft für eine besondere Herausforderung ( wie mache ich aus einem gehassten ein geliebtes Gericht ?) war geweckt. Zu dem sehr faszinierenden Surf and Turf Gericht passte perfekt der Rotwein "Klecks" eine Sonderedition vom unweit entfernten Weingut Born, mit dem wir in der Küche gleich mal anstiesen.


Als nächstes serviert Alexander Mönch geheimnisvoll von Dampf umspielt eine gnadenlos leckere Entenbrust, welche bei 58 Grad sulvidgegart wurde. Es war meine erste in dieser Art in einem Beutel unter Hochdruck gegarte Entenbrust und ich muss sagen ich war absolut begeistert. Die Druck- Bedingungen lassen sich mit Kochen auf dem Himalaya vergleichen. Der Vorteil ist, dass das Fleisch innen sehr zart und aussen knusprig aber nicht zu dunkel ist. Mit viel Dampf kennt sich Alexander Mönch aus, war er doch schon mal ungewollter Auslöser eines grösseren Feueralarm- Einsatzes. Dies war noch in seiner Zeit in Halle, als er vor dem Haus Hohenzollern im italienischen Restaurant Caruso arbeitete. Hier war er aus dem Stand heraus der Chef von 10 Vollitalienern geworden welche sich weder umfangreich bei der deutschen Sprache noch deutschen Hygieneregeln auskannten. Beim Aufräumen der Küche half nur der Hinweis, dass sie sonst anderen Koch suchen können. Schwieriger verhielt es sich im Keller bei den extrem verstopften Rohren

Um diese wieder freizubekommen, musste er etwas mehr und etwas stärkeren Rohrreiniger einsetzten. Mit ungeahnten Folgen für das Restaurant und das darüber liegende Hallenser Luxushotel Kempinsky. Denn plötzlich hörte man draussen Sirenen und ein Grossaufgebot von Polizei und Feuerwehr mit Drehleiter anrücken. Das Gebäude, wo gerade eine Feier mit Prominenten von Wetten dass...Sendung stattfand würde evakuiert. Nur der Brand selber liess sich trotz starker Rauchentwicklung nicht ermitteln. Ins Zentrum der ungläubigen polizeilichen Ermittlungen geriet dann der Rohreiniger, welcher zur Untersuchung von terroristischen Hintergründen sicherheitshalber zur Untersuchung mit auf die Dienstelle genommen wurde. Alexander Mönch atmete später auf, als er erfuhr, dass er nicht die Kosten des Einsatzes tragen musste. Von dem Restaurant hatte er trotzdem genug. Und auch die Karte war viel zu langweilig für die kreativen Feuer, welche wirklich in ihm schlummerten. Da entdeckte er in der Zeitung die Anzeige der Besitzer vom Haus Hohenzollern, welche gastronomische Betreiber für ihr Objekt suchten. Schon beim ersten Anblick der wunderschönen Stuckwände dachte er Wow ! Die Bewerbung erfolgte etwas ungewohnt, man bot den griechischen Inhaberpaar einfach an sie in ihrem Haus zu bekochen. Was folgte waren heftige Umarmungen und die Zusage. Der Laden ging zu deutsch danach durch die Decke. Alleine die unehrliche Sparsamkeit der Besitzer inmitten von Moët Champagnerglanz die Zutaten aus dem Aldi zu holen oder mit preiswerten Arbeitskräften zu arbeiten, gefiel irgentwann Beiden nicht mehr. Als sie anfingen am Tisch zu flambieren konnte es bei dem nicht allzu tief ausgebildeten Personal passieren, dass nicht nur der Teller sondern auch Tisch und Gäste in Flammen standen. In der Orangerie kann soetwas mit den Top ausgebildeten freilich nicht geschehn .Sogesehen ist es es ein grosser Glücksfall, dass Beide ihre enorme Sorgfalt und Wertschätzung gegenüber Zutaten, Mitarbeitern und Gästen hier am Süssen See auf höchsten Level betreiben können. Man spürt bei Beiden, dass sie nicht nur mit ihrer Berufung sondern auch ihrer Region mit Liebe und Leidenschaft verbunden sind.

Wer nicht nur die die Orangerie sondern auch heimische Winzer näher kennenlernen möchte, dem sei der mittlerweile 10. legendäre Wein- Nacht-Markt vom 7.-9.12. vor der Orangerie Seeburg empfohlen. Die Winzer machen einen besonderen Glühwein aus ihrem Wein aber auch sonst gibt es viel leckeres zu bestaunen und zu probieren.

Hier können Sie in der

"Orangerie Seeburg"

reservieren.



Öffnungszeiten 

 

Montag

Kreativ Pause

Dienstag

17.00 - 22.00 Uhr

Mittwoch - Freitag

12.00 - 22.00 Uhr

Samstag

12.00 - 22.00 Uhr

Sonntag

12.00 - 15.00 Uhr

 

Feiertag

12.00 - 22.00 Uhr

 

 

 

Orangerie Seeburg

Schloss Str. 18

06317 Seegebiet Mansfelder Land OT. Seeburg

Bilder/Video: Marcel Senz, Orangerie

Reservierungen unter:

034774 / 70 17 80

Bitte keine Reservierungen per Mail




Zahlungsmöglichkeiten in unserem Restaurant:

EC Zahlungen ab 10,00 €

Bar Zahlungen